Das Baikal-Portfolio

Portfolio

Der See

 

Kleiner Hafen

Der kleine Hafen auf Olchon

 

Baikal 2

Die Kuh

 

Baikal 3

Heiliger Felsen

 

Baikal 4

Gastronom

 

Dorfkiefer

Dorfstraße

 

Baikal 5

Baikaleis 2

 

Baikal 6

Eissturm

 

 


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Burkhardt Kiegeland: Baikal
18 Silber-Gelatine-Prints von Hand abgezogen und einzeln signiert in einer einmaligen Auflage von 40 Exemplaren.
Mit einem Beitrag von Dr. Helmut Hess und Anmerkungen des Fotografen.

Der See und die Wildnis mit den Hügeln auf dem anderen Ufer, das Dorf mit seinen hohen Bretterzäunen und den Bewohnern, die arm sind, die meisten schon lange arbeitslos und in den Krautgärten hinter den Bretterzäunen ihr Gemüse ziehen und Hühner, Ziegen, Kühe halten. Überall tiefe Stille, gelegentlich nur unterbrochen von Hundegebell, dem Krähen eines Hahnes oder den wenigen Motorfahrzeugen. Als wir hier in Österreich einmal mit dem Alphorn und einem großen Gong in die Berge zogen, um in der Stille eine CD aufzunehmen, hatte uns der Verkehrslärm der Täler bis weit hinauf begleitet. Schließlich oben angekommen, waren es dann die in kurzen Abständen die Alpen überquerenden Flugzeuge gewesen, die immer wieder die Stille unterbrachen und uns nur kurze Pausen für die Aufnahmen ließen. Ganz anders hier am Baikalsee. Außerhalb des Dorfes ganze Tage ohne ein einziges Motorgeräusch. Unsere Ohren öffneten sich immer mehr, als seien sie vorher wie verklebt gewesen. Bis wir den Atem der Natur vernahmen, das Kommen und Gehen des Windes, Vogelstimmen aus weiter Ferne und sich ein Raum auf tat, in den hinein wir selber immer weiter wurden, durchlässiger und still und aufgehoben. In solchen Stunden, wenn hinter den Dingen, in die wir uns betrachtend verlieren, etwas von der »großen Natur« hervor scheint, befinden wir uns auf einer Ebene jenseits der Pläne und Absichten.
Es gibt dann auch kein »Gegenüber« und folglich keinen Gedanken an Fotografie. Denn zum Fotografieren müssen wir auf die Ebene des Betrachters zurück kehren, der sich ein Bild von den Dingen macht Ð sonst könnten wir keine Bilder machen. Es entspricht nun allerdings meiner Erfahrung, dass gute Bilder erst zustande kommen, wenn wir zuvor still geworden sind und alle Absichten vergessen haben. Statt »still werden« kann man es auch Einstimmung nennen. Ohne Einstimmung bleiben wir außen, nehmen nur von außen wahr und die Bilder bleiben bloße Abbildungen unserer oberflächlichen Projektionen. Sind wir dagegen eingestimmt, haben wir uns sozusagen für eine erweiterte Wahrnehmung geöffnet, kommt es zu einem tieferen Dialog des Betrachters mit dem was da ist. Den Bildern ist dies dann anzumerken. Angereichert mit der Substanz dieses Dialogs sind sie mehr als nur die Abbilder eines Ortes oder einer Szene. Vielmehr lösen sie sich vom geografischen Ort wie auch vom äu§eren Anlass ab und gewinnen eine zusätzliche Erzählebene. Was auf dieser Erzählebene geschieht, ist das eigentliche Thema einer guten Fotografie. Dem Betrachter solcher Bilder erschließt sich diese Ebene, wenn er selbst sich wiederum Zeit nimmt und sich auf sie einstimmt. Ich habe die Fotografien dieses Portfolios nicht aufgenommen, um zu dokumentieren, dass ich am Baikalsee gewesen bin. Es handelt sich also nicht um anekdotische Reisefotografie und auch nicht um dokumentarische Aufnahmen dieser Gegend der Welt. Mein Thema ist die Landschaft mit den Spuren des Menschen darin, und immer geht es um Zeit und Vergänglichkeit. Dabei ist es gleich, wo ich auf meinen Reisen fotografiere, ob es sich um Natur- oder Stadtlandschaften handelt, oder ob ich zuhause in meinem Garten Bilder mache. In diesem Portfolio wird man das Thema Zeit, Veränderung und Vergänglichkeit in allen Aufnahmen auf verschiedene Weise variiert finden. Unübersehbar zum Beispiel in der Fotografie »Baikalsee«, der ersten Aufnahme in der Reihenfolge. Es zeigt den See und die weißen Berge auf der gegenüber liegenden Seite unter einem kühlen Wolkenhimmel. Die Schatten der Wolken ebenso wie Strömungen geben der Wasseroberfläche eine Struktur. Eine weite, kraftvolle und unberührt wirkende Szene ohne Spuren menschlicher Ansiedlungen. Doch im Vordergrund läuft V-förmig die Bugwelle eines Bootes auseinander. Hier waren eben noch Menschen unterwegs, wir sehen ihre Spuren. Doch in kurzer Zeit werden die kleinen Wellen verschwunden sein; es bleiben die Berge, das Wasser, die Wolken. »Wir sind Vorübergehende« hei§t es im Thomas-Evangelium. Nach unseren Eiswanderungen wärmten wir uns in der Sauna auf und genossen die wunderbare Gastfreundschaft unserer russischen Freunde.
Ein herzliches Dankeschön und auf ein Wiedersehen irgendwann, Galina, Jura, Michail, Nikita, Olga, Sergeij und Viktoria! Im Sommer habe ich mit einer Mamiya 6 und dem 50mm- und 150mm- Objektiv gearbeitet. Im Winter hatte ich die Rollei SL66SE dabei, wieder mit den Brennweiten 50mm und 150mm.
Ich verwendete als Film den Ilford FP4+, der in Perceptol entwickelt wurde. Alle Vergrößerungen machte ich auf Bergger VCNB, ein kontrastvariables glänzendes Papier mit neutralem Bildton – eines der besten Fotopapiere, die es gibt. Es wurde in D72 entwickelt, einem selbst angesetzten Entwickler mit Eigenschaften ähnlich wie Kodaks Dektol.

Das Portfolio ist in der ursprünglichen Form vergriffen. Eine Neuauflage von 10 Stück ist in Vorbereitung. Auch einzelne Prints sind auf Anfrage erhältlich.

© 2006
Burkhardt Kiegeland
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